| Überfall der Polizei auf unsere Party |
Unsere erste Öffentliche Aktion war eine Party für junge AntifaschistInnen.
Damals hießen wir noch "Antifaschistische Brigade Berlin" (ABB). Der Abend begann mit einer Infoveranstaltung des
APaBiZ zu Nazistrukturen in Berlin. Den eigentlichen Höhepunkt sollte ein Konzert mit drei
Bands bilden. Jedoch hatte die dritte Band noch nicht einmal angefangen zu spielen, als uns
die Berliner Polizei einen Strich durch die Rechnung machte und unsere Party stürmte.

Erklärung der Antifaschistischen Brigade Berlin [ABB] zu den Repressionen vom 27.8.2005
Wir lassen uns von dem Überfall der Polizei auf unsere Party nicht einschüchtern !
Jemand rief "die Bullen kommen !" und schon ein paar Sekunden später waren wir von unzähligen
Schlagstöcken umgeben. Nachdem die Berliner Polizei in der jüngeren Vergangenheit wieder massiv
in der Antifa-Szene der Hauptstadt gewütet hatte und man dachte es geht kaum mehr schlimmer, kam
ein neuer Tiefschlag.
Am 27.8.2005 stürmten ca. 150 Polizeibeamte die Szene-Kneipe Subversiv in Berlin-Mitte, wo gerade
unsere Jugendantifa-Party in vollem Gange war. Zeitgleich wurden der linke Laden und Treffpunkt
Fusion und das APABiZ (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum) in Kreuzberg, sowie
Privatwohnungen und Büroräume durchsucht, wobei u. a. Computer beschlagnahmt wurden. Zum
Anlass nahm sich die Polizei "Auskunft über politische Aktivitäten außerhalb der freiheitlichen
demokratischen Grundordnung und dem übersteigerten Hass der Beschuldigten auf die NPD" (Auszug
aus dem Durchsuchungsbeschluss) zu erhalten. Dies bezog sich auf den Aufruf, dass es auf der Party
für jedes mitgebrachte NPD-Plakat ein Freigetränk geben sollte.
Das konkrete Verhalten der Polizei an besagtem Abend im Subversiv war skandalös: Vielfach
ignorierten die Polizeibeamten die Grundrechte der Gäste. Einem jungen Mädchen, das während des
Einsatzes einen Asthma-Anfall erlitt und sich sogar übergab wurde es nicht gestattet die Toilette
aufzusuchen, geschweige denn das Subversiv zu verlassen. Erst nachdem angedroht wurde einen
Krankenwagen zu rufen, durfte sie sich von der Stelle bewegen. Einem anderen Mädchen drückte ein
Polizist ihre Zigarette auf der Hand aus – natürlich erst, nachdem er sich Gummihandschuhe
angezogen hatte. Ganz nebenbei sackten die sauberen Beamten noch unsere Party-Einnahmen von
mehreren hundert Euro ein, ohne diese auf den Durchsuchungslisten aufzuführen. Auch Anwohner
wurden von der Polizei sehr grob behandelt und teilweise nicht in ihre Wohnungen gelassen. Natürlich
wurden von jedem Partygast, auch von noch nicht strafmündigen Minderjährigen, ihr ahnt es schon,
die Personalien aufgenommen. Ebenso wurden alle anwesenden wie Schwerverbrecher einzeln
abgefilmt. Nachdem gegen 2:00 Uhr alle diese Prozedur hinter sich hatten, startete eine Spontandemo,
welche nach vermeintlichen Flaschenwürfen von der Polizei brutal beendet wurde. Polizisten
prügelten auf einen am Boden liegenden Demonstranten ein, so dass dieser Knochenbrüche davontrug.
Ein für die Flaschenwürfe verantwortlich gemachter Genosse sitzt noch immer hinter Gittern.
Wir sehen diese Schikanen und Repressionen als unglaubliche Unverschämtheit dieser selbst
ernannten "Freunde und Helfer" an. Bei eigenständig organisierten Aktivitäten gegen rechts wittern sie
sofort einen Verlust von Kontrolle und Macht ihres Gewaltmonopols, was absolut nicht im Interesse
der Herrschenden wäre, aber das nur am Rande. Die Beschlagnahme sämtlicher eingesammelter
rechter Wahlplakate an diesem Abend, der lächerliche Vorwurf des "übersteigerten Hasses auf die
NPD", sowie das ganze Vorgehen gegen unsere Party betrachten wir als bewusste Verharmlosung und
Unterstützung des NPD-Wahlkampfes. Die Begründung des Einsatzes mit unserer Ankündigung von
Freibier für mitgebrachte Nazi-Propaganda kann dabei nur als billiger Vorwand zum Losschlagen
gewertet werden. In der Vergangenheit sind schon ähnliche Aktionen gelaufen, ohne dass die Polizei
sich genötigt sah derart aufzutreten. Es ging ihnen am 27. August darum Teile der organisierten
Antifa-Szene Berlins zu durchleuchten und allen antifaschistisch gesinnten Menschen der Stadt eine
unmissverständliche Ansage zu machen. Gerade uns als relativ junge und aktive Gruppe wollten sie
bei unserer ersten Aktion einschüchtern ...
Aber wir lassen uns nicht einschüchtern ! Jetzt erst recht ! Gegen Naziterror und Polizeiwillkür !
ABB, Oktober 2005
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